Die Wurzeln des zeitgenössischen Atheismus: Eine Lesart der historischen Abhandlung von Al-Qayrawani

Von
Dr. Haitham Talaat
Wer den zeitgenössischen atheistischen Diskurs betrachtet, erkennt mit Gewissheit, dass die heute unter dem Deckmantel der Moderne und des Szientismus präsentierten Thesen in Wahrheit nichts anderes sind als ein Wiederkäuen alter Zweifel, die tief in der Geschichte verwurzelt sind. Die Infragestellung der Offenbarung und die Aufhebung der religiösen Gesetze haben historische Vorläufer, die von Gelehrten und Historikern bereits vor Jahrhunderten dokumentiert wurden.
Eines der deutlichsten Beispiele hierfür stammt vom Beginn des vierten Jahrhunderts nach der Hidschra. Dort finden wir ein aufschlussreiches historisches Dokument in Form eines Briefes von Ubayd Allah ibn al-Hasan al-Qayrawani an seinen Gefährten Sulayman al-Janani, der eine systematische Methode zur Zerstörung der Pfeiler des Glaubens enthielt. Darin schrieb er wörtlich:
'Ich rate dir, die Menschen an dem Koran, der Thora, den Psalmen und dem Evangelium zweifeln zu lassen, sie zur Aufhebung der religiösen Gesetze aufzurufen, sowie zur Leugnung der Auferstehung und der Erweckung aus den Gräbern, der Leugnung der Engel im Himmel und der Dschinn auf Erden. Und ich rate dir, sie dazu aufzurufen, zu behaupten, dass es vor Adam viele Menschen gab, denn dies wird dir eine Hilfe sein, die Ewigkeit der Welt zu behaupten.'
Quelle: (At-Tafsir wa al-Mufassirun, Band 2, S. 178)
Aus diesem historischen Text wird deutlich, dass die Versuche, Zweifel im Namen der Forschung oder der Untersuchung der Ursprünge zu säen (wie die Behauptung der Existenz von Menschen vor Adam, um zur Aussage über die Ewigkeit der Welt zu gelangen), eine alte Strategie sind, die im Kern darauf abzielt, den Glauben an den Schöpfer und den Jüngsten Tag zu untergraben. Was wir heute an Versuchen sehen, bestimmte wissenschaftliche Theorien in einem atheistischen Kontext zu instrumentalisieren, ist lediglich eine Fortsetzung dieser historischen Methode des Zweifels.