Die Gefahr der Geringschätzung von Sünden und der Trugschluss des blinden Vertrauens auf die Weite der Barmherzigkeit

Von
Dr. Haitham Talaat
Eines der gewaltigsten Einfallstore, durch die der Schaitan in den Verstand mancher Menschen eindringt, ist die Illusion, dass die Weite der Barmherzigkeit Allahs, des Erhabenen, den Verzicht auf Abrechnung oder Strafe impliziere. So wiederholen sie Phrasen wie: "Allah ist allvergebend und barmherzig, Er wird uns für diese Geringfügigkeiten nicht bestrafen." Dies ist ein mangelhaftes Verständnis, das die Erfordernisse der göttlichen Gerechtigkeit und die Weisheit der Prüfung außer Acht lässt.
Lehren aus der Geschichte und der Offenbarung
Wer die Texte der Offenbarung betrachtet, stellt fest, dass eine einzige Sünde der Grund für die Vertreibung von Iblis aus dem Reich der Himmel war; es war damals weder Unglaube noch Atheismus, sondern Hochmut gegenüber einem einzigen Befehl. Ebenso das Schicksal des Volkes von Lut, deren Städte Allah emporhob, bis die Engel das Bellen ihrer Hunde hörten, um sie dann umzukehren und Steine aus brennendem Ton auf sie regnen zu lassen.
Unvergessen bleibt auch das Schicksal von Qarun, den die Erde mitsamt seinem Haus und seinem Besitz verschlang, sowie das Schicksal der Gefährten des Sabbats, die in Affen und Schweine verwandelt wurden, und die Strafe des Tages der Überschattung, die über das Volk von Schu'aib kam. All diese Strafen waren die Folge von Sünden, die ihre Urheber als geringfügig ansahen oder deren Konsequenzen sie unterschätzten.
Einige Gelehrte sagten: Wer im Diesseits das Abhacken der Hand für den Diebstahl eines geringen Geldbetrages vorgeschrieben hat, vor dessen Strafe für die übrigen Sünden ist man nicht sicher; sie könnte gewaltiger sein, als wir es uns vorstellen.
Die Auswirkungen der Sünden im diesseitigen Leben
Sünden haben sichtbare Auswirkungen, die sich in der Verknappung des Lebensunterhalts, der Trübung sozialer Beziehungen oder dem Verlust von Seelenfrieden und psychischer Ruhe manifestieren können. Daher sollte der Verständige nicht warten, bis das Unheil eintritt, um aufzuwachen, sondern er muss die Initiative zur aufrichtigen Reue und zur Rückkehr zu Allah ergreifen und die rechtschaffenen Taten als Schutzschild nutzen, bevor es zu spät ist.